03.01.2012
Mit "Assassin's Creed: Revelations" beendet Ubisoft die Abenteuer des Assassinen Ezio Auditore und verspricht, den Fans viele der offenen Storyfragen zu beantworten. Doch kann der neue Teil die hohen Erwartungen der Spielergemeinde erfüllen? Nach der Vorschau in der aktuellen Ausgabe hat Miroque nun für einen nachträglichen Test noch einmal genauer hingeschaut.
Auch "Revelations" verwendet das gewohnte Zwiebelschalenmodell, was die Erzählung angeht. Der aus den Vorgängern bekannte Protagonist Desmond Miles liegt nach dem mörderischen Ende des Vorgängers "Brotherhood" im Koma. Um seinen Geist zu retten, wird er von seinen Begleitern in den Animus (eine Maschine, mit der man die Erinnerungen seiner Vorfahren nacherleben kann) gelegt. Dort findet er sich dann auf der Animusinsel wieder: ein virtuelles Konstrukt, das helfen soll, seinen Geist zusammenzuhalten. Doch Desmond hat bereits zu viel Zeit im Animus verbracht, weshalb die Erinnerungen seiner Vorfahren sich mit seinen vermischen und dadurch sein Geist zu erlöschen droht. Desmond hat nur eine Chance: Die Erinnerungen seiner Vorfahren Altair und Ezio mit Hilfe des Animus zu trennen.
Den Hauptteil des Spiels verbringt man darum mit dem Assassinen Ezio Auditore in der Renaissance. Zu Beginn ist Ezio unterwegs zur Festung der Assassinen nach Masyaf, ein Schauplatz, der schon aus dem ersten Teil bekannt ist. Dort angekommen, muss Enzio aber mit Erschrecken feststellen, dass sich die Burg mittlerweile in der Hand der Templer befindet. Diese wollen sich dort Zugang zu einer geheimen Bibliothek verschaffen, welche der Legende nach das Wissen zur Weltherrschaft bewahren soll. Die Bibliothek lässt sich allerdings nur mit fünf Schlüsseln öffnen, die in Konstantinopel versteckt sein sollen. Also reist Ezio weiter zur Stadt am Bosporus, um dort jene Schlüssel zu suchen. Das erweist sich jedoch als Wettlauf gegen die Zeit, denn einen Schlüssel haben die Templer bereits in ihren Besitz gebracht und sie sind ebenfalls auf der Suche nach den restlichen Schlüsseln.
Mit jedem weiteren Schlüssel ist es Ezio möglich, Erinnerungssequenzen von Altair zu erleben. In diesen darf der Spieler dann auch wieder den aus dem ersten Teil bekannten Assaissinen spielen und erlebt so die wichtige Ereignisse aus Altairs Leben nach dem ersten Teil - den gibt es übrigens bei der Playstation-3-Version als Gratiszugabe dazu.
Wie man sich denken kann, sollen in "Revelations" verschiedenste Storyfäden zusammengeführt und abgeschlossen werden. Das klappt auch zum Teil, dabei bleibt aber leider die Hauptstory um Ezio zunehmend auf der Strecke. Dies liegt vor allem am Fehlen eines charismatischen Hauptgegners. Feinde mit einem Charisma wie Rodrigo oder Cesare Borgia aus den Vorgängern sucht man hier leider vergebens. Zwar wird versucht, Spannung darüber aufzubauen, dass man eben nicht weiß, wer der eigentliche Anführer der Templer ist. Doch leider funktioniert das nicht, da so die vermeintlichen Gegenspieler regelmäßig wechseln und so zu teilweise schon zu fast zu klischeehaften Abziehbildern verkommen, die man beliebig austauschen könnte. Ein ähnliches Konzept hat zwar vor Jahren, zu Beginn von Assassin's Creed II, noch funktioniert. Dort war aber auch ein blutjunger Ezio alleine mit einer Intrige gegen seine Familie konfrontiert. Jetzt, mit einem weisen und ergrauten Assassinenmeister Ezio, wirkt das leider sehr unglaubwürdig. Erschwerend kommt hinzu, dass Ezio die volle Unterstützung des lokalen Ordens der Assassinen genießt, was die zusätzliche Handlung um einen Erbfolgekrieg in der Sultansfamilie zunächst nicht glaubwürdiger macht. Zu Gute halten muss man dem Spiel aber, dass die Spannung ab der Mitte dann aber doch deutlich zunimmt. Trotzdem bietet der geschichtliche und kulturelle Schauplatz Konstantinopel viel Potential, das hier leider größtenteils ungenutzt verblasst.
Die weiteren Neuerungen im Spiel können leider nicht überzeugen. Da ist zuerst einmal die Hakenklinge zu nennen. Mit dieser kann Ezio beim Klettern an Gebäuden besser Halt finden und so größere Distanzen überwinden. Außerdem kann man mit dieser Klinge an gespannten Seilen in der Stadt wie an einer Seilbahn entlang rutschen, um so größere Strecken zu überwinden. Diese Idee klingt ganz nett, aber die Strecken sind meist zu kurz und die Seilbahn funktioniert immer nur in eine Richtung. Ärgerlich ist das vor allem deshalb, weil die Fortbewegung per Pferd, die ein fester Bestandteil aller Vorgänger war, gestrichen wurde.
Ähnlich wie die Borgiatürme im Vorgänger gibt es auch in "Revelations" wieder Templerstützpunkte, die man erobern muss, um das jeweilige Stadtgebiet unter seine Kontrolle zu bringen. Aber Achtung: Hier versuchen die Templer, die Festungen wieder zurückzuerobern. Dabei gilt es in einem Towerdefense-Spiel, die Festung zu verteidigen. Die Steuerung ist dabei sehr hakelig. Ezio kann zwar eingreifen, dabei hockt er aber eher passiv auf einem Dach. Die normale Bewegungsfreiheit, die man sonst von dem Charakter kennt, fehlt.
Separat hat man noch die Möglichkeit, Desmonds Vergangenheit in eigenen Erinnerungssequenzen zu erforschen, wenn man mit Ezio eine bestimmte Anzahl von Erinnerungsfragmenten eingesammelt hat. Leider wirken die Level hier sehr spröde. Zudem wechselt das Spiel von der gewohnten Third-Person-Steuerung zu einer Egoperspektive. Das verwirrt nur unnötig, hat man sich doch an die Steuerung mit der Figur gewöhnt. Die Erinnerungssequenzen von Altair spielen sich dafür mit der gewohnten Steuerung.
Grafisch bleibt Revelations auf dem Niveau der Vorgänger. Die Grafik ist zeitgemäß, auch wenn sie nicht mehr so überragend wirkt wie vor einigen Jahren. Dafür hat der neue Teil als einer der ersten Spiele nun auch eine extra 3D-Unterstützung. Diese machte bei uns in der getesteten Playstation 3 auch eine nette Figur. Der dadurch vorhandene Tiefeneindruck stellt für das Spielgefühl einen echten Gewinn dar.
Das Spielprinzip ist wie bei den Vorgängern zusammengesetzt. Kämpfen, Schleichen und Beschatten wechseln sich wie gewohnt ab. Ezio hat jetzt die Möglichkeit, Bomben mit gesammelten Utensilien selbst zu bauen. Ansonsten gibt es hier keine nennenswerten Änderungen. So fühlt sich das Spiel dann stellenweise eher wie ein Add-On an. Natürlich ist ein solcher solider Aufguss von etwas Altbewährten keinesfalls schlecht - hier sollte man sich aber die Frage stellen, ob einem das einen Vollpreis wert ist.
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