Bube Dame Koenig: Traumlaendlein

20.01.2015

Neue Folkmusik

Dass sie innovativ mit alter Musik umgehen können, bewiesen Jan Oelmann und Juliane Weinelt bereits 2010 mit der Gruppe Brandan. Waren es dort mittelalterliche Texte, die im folk-pop-jazzigen Gewand präsentiert wurden, haben sich die beiden mit ihrer neuen Formation „Bube Dame König“ nun das deutsche Volkslied vorgenommen. Spannend daran ist, dass bei Brandan fast vollständig auf authentisch-mittelalterliche Instrumentierung verzichtet wurde, während man sich für das deutsche Volksliedgut der Drehleier bedient. Dafür ist der dritte Mann im Boot zuständig, und der ist nicht irgendeiner. Till Uhlmann spielte schon bei Cäsar & Die Spieler oder den Dissidenten, war mit seiner Band ULMAN Creole-Preisträger und gehört zum Besten, das Deutschland an der Drehleier zu bieten hat. Wer ihn schon live auf der Bühne gesehen hat weiß, was es heißt einen Virtuosen auf diesem Instrument zu erleben.

 

„Neue Folkmusik“ ist der Untertitel, den die Band ihrer Debüt-CD Traumländlein gegeben hat, und zum Teil stimmt das auch. Zum Teil ist sie aber auch ganz schön alt, wie das Stück „Nun will der Lenz uns grüßen“, dessen Text schon im 13. Jahrhundert von Neidhardt von Reuental geschrieben wurde, die Melodie stammt immerhin aus dem 17. Jahrhundert. Auch „Wenn alle Brünnlein fließen“ (um 1520) und „Es ist ein Schnee gefallen“ (Text: 1467 / Musik: 1537) zählen zu den älteren Volkslied-Klassikern. Der Evergreen „Kein schöner Land“ von 1838 müsste dagegen ja richtiggehend modern wirken. Interessanterweise tut er das zwar, verglichen mit den zuvor genannten Songs aber am wenigsten. Denn modern wirken die Songs in der Interpretation von „Bube Dame König“ irgendwie alle. Da groovt die Akustikklampfe fröhlich vor sich hin, Juliane zwitschert darüber mit der Querflöte oder trällert mit ihrer glockenhellen Stimme, und die Töne, die Till der Drehleier nicht entlocken kann, müssen wohl erst noch erfunden werden. Wer hätte gedacht, dass Neidthardts Frühlingslied oder die „fließenden Brünnlein“ binnen zweier Durchläufe bei mir zu absoluten Ohrwürmern werden würden, die ich ständig gut gelaunt vor mich hin pfeife? Ich jedenfalls nicht.

 

Die noch stärkeren Momente auf „Traumländlein“ sind für mich aber die, in denen sich die Band an Crossover-Experimente wagt, wie bei den beiden Stücken „Spielemann“, „Ebereschenbaum“ und „Abschied“. Eigentlich handelt es sich hier um die schottischen beziehungsweise irischen Traditionals „The Bonnie Ship of Diamond“, „Road to Clady“ und „Health to the Company“, die alle drei von dem Leipziger Dichter Thomas Kolitsch mit einem deutschen Text versehen wurden. Aber auch die Eigenkompositionen wie „Saalenixe“, das an eine lokale Sage angelehnt wurde oder das – ebenfalls von Thomas Kolitsch getextete – „Gewerkschaftslied“ sind absolut großartig. Ach, sie sind einfach alle toll!

 

Nun habe ich schon so viel geschrieben und gelobhudelt und dabei noch nicht einmal erwähnt, dass es auf der CD auch noch Gastmusiker gibt. Wer die sind und was sie beitragen muss der geneigte Leser jetzt allerdings selbst herausfinden, denn jede noch so enthusiastische Besprechung muss auch einmal ein Ende finden. Tipp: Am besten gleich das Album kaufen, da steht es im Booklet und man hat den Hörgenuss gleich dazu.

 

Fazit: Die deutsche Folk(s)musik lebt – und wie!

 

[Florian Hessler]

 

 

Bube Dame König

Traumländlein

Neue Folkmusik

CPL Music (Broken Silence)

 

www.neue-volkslieder.de

 

 

Tracklist:

 

  1. Nun will der Lenz uns grüßen

  2. Spielemann

  3. Wenn alle Brünnlein fließen

  4. Heideförsterlied

  5. Ebereschenbaum

  6. An der Saale hellem Strande

  7. Saalenixe

  8. Blasse Mary

  9. Schnitter Tod

  10. Dat du min Leevsten büst

  11. Gewerkschaftslied

  12. Es ist ein Schnee gefallen

  13. Kein schöner Land

  14. Abschied

 

 

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