Kinder im Hexenprozess

24.06.2013

Von Teufeslbrut, unbedachten Aussagen und Belastungszeugen

Hexenprozesse sind im Übergang des Mittelalters zur (Frühen) Neuzeit eines der Themen, die die meiste Gänsehaut auslösen. Die oftmals aus heutiger Sicht irrationalen Anklagen, die Leichtigkeit, mit der bis dato unbescholtene Bürger in die Mühlen der Justiz geraten konnten sowie die teilweise Hysterie der Bevölkerung muten uns fremdartig an. Johannes Dillinger hat sich in  seinem Buch "Kinder im Hexenprozess - Magie und Kindheit in der Frühen Neuzeit" nun besonders mit Rolle von Minderjährigen Prozessopfern und Zeugen befasst.

 

Dabei steht weniger das Gruseln im Mittelpunkt, Einzelheiten zu Hinrichtungen oder Verhören werden eher nebensächlich erwähnt, sondern die Frage, welche Rollen Kinder überhaupt einnehmen konnten. Sprach ein Teil der Geschichtswissenschaft lange von "kleinen Monstern", die ohne Reue Eltern, Nachbarn und Lehrer denunzierten, kommt Dillinger zu einem differenzierteren Bild. Der Autor schildert verschiedene Umstände, in denen Kinder als (maßgebliche) Zeugen in Prozessen auftraten oder diese erst auslösten. Dabei berücksichtigt der Autor nicht nur die verschiedenen Orte und Jahre, sondern auch das soziale Millieu, aus dem die Kinder stammten.

 

Abgerundet wird das sehr lesenswerte und differenzierte Buch durch Einblicke in die Rechtssprechung der Zeit sowie mit der Frage, was "Kindheit" und "Kinder" in der Frühen Neuzeit überhaupt sind und in wie weit sich diese von unserem Verständnis von Kindheit unterscheiden. Ein spannendes und interessantes Buch für alle, die sich genauer mit dem Thema Hexenprozesse auseinandersetzen wollen.

 

Franz Steiner Verlag, 2013, 264 Seiten, 24,90 €

ISBN: 978-3-515-10312-1

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