Miroque auf dem Castlefest

03.08.2016

Wo die Fantasie zur Realität wird

Mittelalter- und Paganfolk-Festivals gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Fantasy-Festivals sind da weitaus seltener, hier trifft sich die Szene meist eher auf – vorwiegend sündhaft teuren – Conventions.  Obwohl es durchaus Überschneidungen zwischen den beiden Lagern gibt, bleiben sie meist jedoch getrennt. Ein Event aber gibt es, auf dem sich Mittelalterfreunde genauso wohl fühlen wie LARP-Freaks, wo ernsthafte Reenacter zusammen mit Cosplayern, Steampunks und ganz normalen Musikfans zusammen jedes Jahr drei Tage lang ein rauschendes Fest feiern. Die Rede ist vom Castlefest im niederländischen Lisse.

 

Genau genommen findet das Festival nicht in Lisse, sondern vor den Toren der kleinen Stadt rund um das Schlösschen Keukenhof statt. Der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene malerische Landschaftsgarten ist besonders im Frühjahr zur Zeit der Tulpenblüte eine große Touristenattraktion und Anziehungspunkt für Blumen- und Gartenfreunde. Doch auch im Hochsommer hat das Gelände noch viel Charme und bietet eine prächtige Kulisse für das kunterbunte Festival-Volk, das den Park für ein Wochenende belegt.  

Castlefest-BesucherinVon Comichelden wie Asterix, den Teenage Mutant Ninja Turtles und zahlreichen Manga-Ikonen über Computerspielcharaktere wie Super Mario bis hin zu klassischen Fantasy-Figuren wie Elfen, Zauberern oder Orks tummelt sich hier so ziemlich alles, was sich die menschliche Fantasie ausdenken kann. Da tanzen SciFi-Roboter ausgelassen mit heidnischen Naturgeistern, flirten zauberhafte Feen mit finsteren Dämonen und ägyptische Pharaonen treffen sich mit römischen Legionären und holden Wikingermaiden zum gemütlichen Plausch am Bierstand. Auch Uniformen sind bei den Kostümen vertreten, obwohl das Castlefest eine ausgesprochen pazifistische Veranstaltung ist. Deshalb stolziert der napoleonische Offizier hier dann auch ganz friedlich neben dem britischen Admiral. Die in der deutschen Gothic-Szene mittlerweile leider salonfähigen Nazi-Uniformen fehlen allerdings gottseidank, auch wenn man vereinzelt durchaus moderne Uniformen erspähen kann.

Das Highlight des Wochenendes ist für viele Besucher das Abbrennen des "Wickerman" am Samstagabend. Über dieses Ritual schrieb bereits Julius Cäsar in seinem Bericht über die Gallier. Beim Castlefest werden aber natürlich nicht wie bei den alten Kelten Menschenopfer in der Strohpuppe verbrannt. Stattdessen haben die Festivalbesucher zwei Tage lang Gelegenheit, kleine persönliche Opfergaben im Wickerman zu deponieren, bevor er dann in einer feierlichen Zeremonie von den Festival-Organisatoren Natasja und Mark van der Stelt entzündet wird.

Der brennende Wickerman ist mit Sicherheit der emotionalste Moment des Festivals; aber das Castlefest hat noch jede Menge mehr zu bieten, beinahe zu viel, um alles hier aufzulisten. Da gibt es die Kunstwiese, Schwertkampf-Vorführungen, Geschichtenerzähler, Instrumentenbauer, das LARP-Dorf, den Schriftstellermarkt, Balfolk-Konzerte, verschiedenste Workshops, ein umfangreiches Kinderprogramm und und und. 

Ach ja, Musik gibt es übrigens auch noch. Das Festival startet am Donnerstag mit dem großen Eröffnungskonzert auf der Forest Stage. Metusa, Coppelius und Saltatio Mortis werden in diesem Jahr mit Sicherheit für einen fulminanten Auftakt sorgen. An den folgenden drei Tagen haben sich bislang unter anderem Faun, Cesair, Ye Banished Privateers, Seed, Shireen, Feuerschwanz, Cuélebre, Acus Vacuum, Woodland und Cello-Gott Adam Hurst angesagt. Viele weitere Acts werden noch folgen. 

Die Reise ins Nachbarland lohnt sich also in jedem Fall. Aber Vorsicht, das Castlefest macht süchtig. Wer einmal da war, kommt wieder!

 

[floh]

 

Ort: Castlefest, Schloss Keukenhof, Stationsweg 166A, 2161 AM Lisse, Niederlande

Datum: 05.-07.08.2016

Höhepunkte: Wickerman, Konzerte, LARP-Dorf, Schwertkampf, Lesungen, Workshops, Kinderprogramm

 

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